Donnerstag, 9. August 2018

Frühe Heirat damals: Waren wir doof? Nein!

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Man kommt sich oft schon in jungen Jahren näher. Da ist Zuneigung im Spiel. (Bilder, Repros: (c) presseweller/ wellSi-made)

Seit den 1970er-Jahren hat sich viel verändert – weniger Eheschließungen, mehr Scheidungen


August 2018. (DiaPrw). In den 1950er- und 1960er-Jahren herangewachsen ans und ins Volljährigkeitsalter (früher 21, heute 18 Jahre), erlebten wir eine Kindheit und Jugend, die schon allein in jeder Wohnstraße vom gemeinsamen Spiel von Mädchen und Jungen bestimmt war. Es wurden eben noch weit mehr Kinder geboren als heute. Das gemeinsame Erleben setzte sich in der Volksschule und anderen Schulformen fort, sofern es keine Geschlechtertrennung gab, und im Konfirmations- und Kommunionsunterricht. Durch die Schule, Freizeiten, Gruppentreffen sowie gemeinsamen Sonntagsnachmittags-Kaffee-Kuchenrunden, Feiern und Ausflüge mit befreundeten Familien lernten wir auch andere Kinder und, später in der Ausbildung, Jugendliche kennen. Wenn sich die Gelegenheit bot und man sich sympathisch fand, „bändelte“ man bereits in der frühen Jugend an. War der Funke intensiver übergesprungen und hatte beiderseits ein innerliches Feuer ausgelöst, kamen schon bald Einzeltreffen und etwas später die Überlegungen zu einem fortan gemeinsamen Leben. Da waren wir nicht blauäugig, sondern da spielten die Geheimnisse des Lebens mal wieder eine Hauptrolle. Viele heirateten nach beruflichem oder schulischem Ausbildungsende bereits im Alter zwischen etwa 18 – mit zwingender Erlaubnis der Eltern – und rund 25 Jahren.

„Zusammen durchs Leben gehen“, das war der Wunsch, und zwar unabhängig davon, dass wir in den eigenen Familien ein gutes und fürsorgliches Zuhause hatten. Bis zur Heirat lebte ohnehin jeder noch bei seinen Eltern. So wie bei uns, gingen die „festen“ Freundinnen und Freunde nicht mehr alleine aus, sondern als Pärchen. Man kannte sich ohnehin aus dem Wohngebiet oder lernte den Partner oder die Partnerin des Freundes oder der Freundin kennen. Und wir hatten immer viel Spaß. In Siegen gab es zum Beispiel „Tanz für die Jugend“ in einem Saal der Siegerlandhalle. Nach und nach eröffneten Diskotheken, in den wir uns von angesagter Musik unterhalten ließen und tanzten, was gerade aktuell war. Bei den älteren Brüdern war es der Rock‘ n‘ Roll, bei uns schon der Twist.

Früh gefreit, nicht bereut: Hochzeit damals
Dem Motto „Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...“ nach lief die Beziehung nicht bereits nach ein paar Wochen, sondern nach Monaten und oft Jahren Richtung Heirat. Davor aber stand die Verlobung mit Feier. In unserem Umfeld waren die jungen Männer 21 bis etwa 24, die jungen Frauen um die 20. Ein Freund, etwas jünger als ich, heiratete zuerst. Wir selbst waren 22 und 20 zur Hochzeit, ein anderer Freund, ein Jahr älter, heiratete das Jahr danach. Die Freunde, die studierten, folgten etwas später. Laut der Webseite statista.com nach- wie alle folgenden Daten – lag das Durchschnittsalter im Jahr 2016 bei 31,5 Jahren, Männer 34 Jahre. In diesem Alter hatten wir bereits einen Teil des gemeinsamen Lebens genossen, und unser Kind war schon 13. Wie schön!

Kirchliche Trauung
Da zur „Familiengründung“ damals für viele ein Kind gehörte, kam meist ein bis zwei Jahre nach der Hochzeit der Nachwuchs. Manche bekamen mehrere Kinder. Im Jahr 1970 wurden in Deutschland pro Jahr noch über 575.000 Ehen geschlossen, 2017 waren es – nach leicht steigender Tendenz aus den Vorjahren – noch knapp 407.500 in Gesamtdeutschland.


An die kirchliche Trauung schloss sich die Hochzeitsfeier an. 


Da alle in unserem Umfeld früher einer Kirche angehörten, war neben der schnell abgehakten gesetzlich-behördlichen Beurkundung im Standesamt die kirchliche Trauung am wichtigsten. Beim feierlichen Gottesdienst mit Eltern, Geschwistern, Verwandten und Bekannten verinnerlichten wir das „Ja“, das mit „in guten und schlechten Zeiten“ und „bis dass der Tod euch scheidet“ verbunden war. Nach der Trauung schloss sich die Hochzeitsfeier an! Ein Familienfest stand ebenfalls wieder zur kirchlichen Taufe des Nachwuchses an.
In unserem größeren Kreis hatten, wie bei Eltern und Verwandten und von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Ehen Bestand. Die Scheidungsrate war damals weit geringer als heute. Dennoch gab es Einzelfälle, in denen sich Eheleute sogar noch nach der Silberhochzeit scheiden ließen. In unserem Umfeld hielten die meisten Ehen und halten noch nach über 30, 40 und 50 Jahren, wenn inzwischen auch bei manchen der Tod ein Ende gesetzt hat. Silberhochzeit, goldene und sogar diamantene Hochzeit konnten einige im Bekannten- und Verwandtenkreis noch gemeinsam erleben. Wie wundervoll. Waren sie ehedem alle unmodern und haben vergessen, sich selbst zu verwirklichen?

Passt nicht, geht nicht/ Papa nicht da, Mama nicht da
Lag 1970 die Zahl der Scheidungen noch bei knapp über 18 Prozent, wird sie für 2017, seit wenigen Jahren leicht rückläufig, mit über 32 Prozent angegeben, rund 153.500. Das Leben ist nicht immer ein Zuckerschlecken, es gibt gute und schlechte Zeiten, Höhen und Tiefen. Nach heute meist zehn Schuljahren, häufig Abitur und universitärer Bildung muss jeder auch wissen, dass sich diese sexuelle Glut nach und nach in ein glimmendes Feuer zwischen den Partnern verwandelt. So spielt die Natur mit uns. Eine Ehe macht außerhalb dieser Thematik doch aus, Täler ebenso gemeinsam zu durchschreiten wie Gipfel zu erklimmen. Kompromisse sind gefragt. So viele Jahre waren die Medien voll mit Beiträgen zur „Selbstverwirklichung“ und zu „innerer Befreiung“, „Karriere“ und vielem mehr. Wenn das so persönlich im Blickpunkt steht, ist zu überlegen, ob man überhaupt eine Ehe eingeht. Gerade wenn Kinder da sind, gehören ein hohes Maß an Verantwortung und stets auch Kompromissbereitschaft in den Vordergrund. Wer meint, dass etwas anderes für ihn wichtiger ist, na bitte. Sofern Kinder im Spiel sind, ist stets zu bedenken, wie der Nachwuchs mit solch einer Trennung fertig wird – Mama nicht da, Papa nicht da, alles nur im Mehrwochenrhythmus. Wenn das so ist, frage ich dann doch: „Ist das modern?“. Ich hätte dann lieber darauf verzichtet und will als unmodern gelten.

Heute reicht oft ein Einkommen nicht
Das Familienleben ist ebenfalls gesellschaftlich angeknackst. In früheren Zeiten konnte ein Verdiener, ob Mann oder Frau, noch die ganze Familie ernähren. Angesichts hoher Mieten und allgemeiner Kostenbelastung wird das immer schwieriger. Wir wundern uns und empfinden es im Nachhinein als sehr gut, dass sich unsere Eltern und unsere Generation trotz nur eines völlig normalen Gehalts oder Lohns in üblichen Berufen, auch ohne universitäre Bildung, in der Industrie, im Handwerk, bei öffentlichen Arbeitgebern und anderen die Versorgung der Familie leisten konnten! Ab so Mitte/ Ende der 1950er-Jahre waren auch Reisen „drin“, und bald stand das eigene Auto vor der Tür. Selbst in unserer Generation klappte das alles noch. Diese Zeiten, in denen alles mit einem Lohn funktionierte, scheinen bereits schon länger vorbei zu sein, sofern man nicht überproportional verdient oder vermögend ist. 

Waren wir also doof zu unserer Zeit, früh zu heiraten? Nein, unsere Kinder waren schon Jugendliche, als wir selbst noch jung waren. Heute sind Eltern bereits weitaus älter. Wir konnten trotz und wegen der Kinder unsere Zeit genießen, auch wenn es kaum KiTas gab, die wir aber auch gar nicht brauchten. Unmodern oder zu blauäugig waren wir zur damaligen Zeit absolut nicht, weil es so Alltag war – und der war und ist weit weniger stressig als der heutige, wie wir ihn oft aus Erzählungen mitbekommen.  Jürgen Weller

PS: Der Text geht darauf ein, wie wir es kennen. Jeder mag wieder andere Erfahrungen haben. Klar wissen wir, wenn wir von Frau und Mann schreiben, dass inzwischen auch gleichgeschlechtliche Ehen möglich sind. Verschiedene Aspekte werden dort ähnlich sein.

(Repros, Abbildungen: © presseweller)

Ein paar kurze geschichtlich-politische Hinweise zu den Zeiten: In den 1950er-Jahren war - bis 1963 - Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (also West). Es war eine Koalitionsregierung. Bundespräsident war Theodor Heuss (FDP). Wirtschaftsminister war Ludwig Erhard, mit dem wir den Aufschwung in den 1950ern und das "Wirtschaftswunder" verbinden. Es "lief" wieder! 

In den 1970er-Jahren, seit 1969 - bis 1982 - regierte die SPD als Koalitionsregierung, auch als sozial-liberale Koalition bekannt. Bundeskanzler waren Willi Brandt und Helmut Schmidt. Bundespräsident war 1969 bis 1974 Gustav Heinemann (SPD). (*Abgesehen von den bekannten Namen unserer Zeit haben wir Einzeldaten wikipedia.org und taschenhirn.de entnommen). 


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